Der jährliche DATA Bericht bemüht sich um eine Offenlegung der kalten Fakten. Diese sollen so präsentiert werden, wie sie sind: brutal, ehrlich und emotionslos. Doch kann es auch passieren, dass einen die kalten, nackten Tatsachen eben auch kalt lassen. Die großen Versprechen und hehren Ambitionen von 2005 werden nur schleppend erfüllt, und die Begeisterung, mit der die Zusagen von Gleneagles im Jahr 2005 aufgenommen wurden, droht zu verblassen. Zum Glück ist diese Begeisterung gerade dort weiterhin lebendig, wo sie wirklich zählt – in Afrika. Die Afrikaner arbeiten hart daran, dass sich die bescheidenen Erhöhungen, die ihnen zuteil wurden, auch viel erreichen. Immer wieder beweisen sie so, dass Erfolg möglich ist. Sie zeigen, dass die Zusagen der G8, sofern eingehalten, so zum Einsatz kommen, dass sie die gewünschten Resultate erzielen: die Rettung menschlichen Lebens, den Abbau extremer Armut. Diese Erfolge sollten uns inspirieren, die Zusagen in vollem Umfang zu erfüllen.
Der DATA Bericht 2008 erscheint zu einem wichtigen Moment:. Kurz bevor die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel die eigene Bilanz ziehen und auswerten, kurz bevor Frankreich den EU-Vorsitz übernimmt und sich die G8-Staaten in Japan treffen und inmitten einer ernsten Auseinandersetzung über die Zukunft der US-amerikanischen Außen- und Entwicklungspolitik.
Die Veröffentlichung dieses Berichts erfolgt auf halber Wegstrecke zweier Vorhaben, die einen greifbaren Wandel für die Armen der Welt bringen sollen: Das längerfristige Unterfangen, die in der Millenniumserklärung aus dem Jahr 2000 vereinbarten Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) zwischen 2000 und 2015 zu erreichen und das kurzfristige Unterfangen, Afrika dabei zu unterstützen, auf den richtigen Kurs zum Erreichen dieser Ziele zwischen 2005 und 2010 zu kommen - wie von G8 und EU im Jahr 2005 vereinbart und versprochen.
Doch vor allem ist dieses ein Jahr, in dem immer deutlicher wird, was in den Partnerstaaten möglich ist. Im vergangenen Jahr begrüßte DATA die Tatsache, dass 1,3 Millionen Afrikaner mit HIV/AIDS nun lebensrettende antiretrovirale Medikamente erhielten. Nur ein Jahr später übertrifft ihre Zahl 2,1 Millionen. Letztes Jahr feierte DATA die Tatsache, dass seit 1999 20 Millionen Kinder mehr die Schule besuchten – heute ist ihre Zahl auf insgesamt 29 Millionen angewachsen. Doch auch in anderen Sektoren gab es Erfolge. Obgleich weiterhin viel zu hoch, waren die Kindersterblichkeitsraten rückläufig. Ruanda und Äthiopien verzeichnen erhebliche Rückgänge in der Verbreitung von Malaria um 66% bzw. 51%. Und gab es 1989 in Afrika lediglich drei Demokratien, so hatte sich diese Zahl bis 2005 versechsfacht.
Derlei Statistiken sind keine Ausnahme: In ihrer Summe ergeben sie allmählich ein größeres Bild vom Potenzial Afrikas. In 18 Ländern auf dem Kontinent (ölproduzierende Staaten nicht einberechnet) betrug das Wachstum der Volkswirtschaften über die vergangenen 10 Jahre hinweg durchschnittlich 5,5%.1 Diese Wachstumsraten kommen durch das komplexe Zusammenwirken vieler Faktoren zustande, von denen viele in diesem Bericht berücksichtigt sind. Elf der 18 Länder sind Demokratien,2 13 davon haben im Rahmen der HIPC-Initiative den Completion Point erreicht, und ein weiteres steht am Decision Point.3 Diese 18 Staaten schulten 1999 bis 2005 knapp 14 Millionen mehr Kinder ein, steigerten den Anteil ihrer Bürger mit Zugang zu sauberem Wasser und reduzierten ihre Kindersterblichkeitsraten; auch der Zugang zu antiretroviralen Therapien und Moskitonetzen ist gestiegen.
Diese Erfolge muss man sich bei der Lektüre des DATA Berichts vergegenwärtigen. All das hat Afrika mit der mäßigen Unterstützung erreicht, die bisher dort angekommen ist. Angesichts solcher Erfolge lassen sich gebrochene Versprechen nicht mehr rechtfertigen – Ausreden, dass diese Programme nicht funktionierten und das Geld verschwendet werde, greifen nicht. Dies macht deutlich, dass ein Wortbruch auf mangelnden Willen zurückzuführen wäre. Zugleich wird so auch verdeutlicht, vor welcher Entscheidung die G8 stehen. Die G8 können sich dafür entscheiden, auf den bisherigen Erfolgen aufzubauen und sich aufrichtig bemühen, ihre Zusagen umzusetzen oder betreiben weiterhin Stückwerk. Letzteres, sehr langsames Vorgehen wird einigen Menschen in Afrika auch weiterhin helfen, doch für die meisten wäre es eine Katastrophe. Es würde nichts zur Lösung der Lebensmittelkrise beitragen und nichts zur Unterstützung der ärmsten Menschen bei der Anpassung an den Klimawandel leisten, den sie nicht herbeigeführt haben. Es würde der schnellen Verbreitung von übertragbaren Krankheiten wie HIV/Aids keinen Einhalt gebieten; und ganz gewiss wird es den letztendlichen Zweck nicht erfüllen – Afrika dabei zu helfen ‚die erfolgreiche Zukunft zu schaffen, die wir uns alle wünschen‘.