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Die Millennium-Entwicklungsziele

Im Jahr 2000 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs von 189 Nationen die Millennium-Entwicklungsziele (MDGs). Hinter diesem Namen verbergen sich acht ehrgeizige Ziele für die deutliche Reduzierung weltweiter Armut und der Ausbreitung vermeidbarer Krankheiten bis 2015. Für die Realisierung der Ziele in Bereichen wie Gesundheit von Kindern und Müttern, Bildung sowie Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung wurden messbare Vorgaben mit einem klaren Zieldatum festgelegt. Dies verlieh dem Kampf gegen weltweite Armut neuen Schwung.

Voraussetzung für die Realisierung dieser wichtigen Entwicklungsziele ist eine Partnerschaft zwischen Entwicklungs- und Geberländern. Die Entwicklungsländer müssen den ersten Schritt gehen, indem sie der Reduzierung der Armut Priorität einräumen, eine gute Regierungsführung erreichen und mit Akteuren aus dem nichtstaatlichen Bereich zusammenarbeiten, um transparente und überprüfbare Pläne für das Erreichen der Ziele zu entwickeln. Auch den Industrieländern kommt eine wichtige Rolle zu. Mit ihrer Unterschrift sagten sie zu, die Bemühungen der Entwicklungsländer zu unterstützen. Dies wird insbesondere in Ziel 8 geregelt, welches eine globale Partnerschaft für das Erreichen der Ziele zur Reduzierung der Armut fordert.

Seit 2000 beweisen die greifbaren Ergebnisse, dass einschneidende Verbesserungen möglich sind, wenn Entwicklungs- und Geberländer ihre Zusagen einhalten: Im Rahmen von Schuldeninitiativen wurden afrikanischen Ländern $93 Mrd. erlassen. Mit Hilfe der dadurch freiwerdenden Mittel sowie durch Entwicklungszusammenarbeit konnten zwischen 1999 und 2006 34 Millionen Kinder zusätzlich eingeschult werden. Höhere weltweite Ausgaben für die Gesundheit trugen dazu bei, dass fast drei Millionen HIV-positive Menschen lebensrettende antiretrovirale Medikamente erhalten und 70 Millionen Moskitonetze zum Schutz vor Malaria verteilt wurden.

Trotz dieser Erfolge muss noch erheblich mehr getan werden, um das Erreichen der MDGs bis zum Jahr 2015 sicherzustellen. Dies gilt besonders für die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Diese Region liegt noch am weitesten hinter den vereinbarten Zielen zurück. Mit den Millennium-Entwicklungszielen verpflichtete sich die Welt zu Verbesserungen in folgenden Bereichen:

1. Armut und Hunger: 1,4 Milliarden Menschen auf der Welt leben in extremer Armut (haben also ein Einkommen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag), und fast jeder siebte Mensch geht abends hungrig zu Bett.

  • Ziel 1: Halbierung der Zahl der Menschen, deren Einkommen unter einem Dollar pro Tag liegt (von 1990 bis 2015)
  • Ziel 2: Verwirklichung einer produktiven Vollbeschäftigung und menschenwürdige  Arbeit für alle, einschließlich Frauen und junger Menschen
  • Ziel 3: Halbierung der Zahl der Menschen, die Hunger leiden müssen (zwischen 1990 und 2015)

2. Bildung: Von einem erweiterten Zugang zu Bildung profitieren Bereiche wie Gesundheit und Wirtschaftswachstum. Dennoch besuchen 75 Millionen Kinder auf der Welt noch keine Schule.

  • Ziel 1: Bis 2015 müssen alle Kinder auf der ganzen Welt, unabhängig vom Geschlecht, eine abgeschlossene Grundschulbildung erhalten.

3. Gleichberechtigung der Geschlechter: Frauen sind am stärksten von extremer Armut und Krankheiten betroffen. Sie arbeiten länger und verdienen dennoch weniger, haben geringere Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung sowie der politischen Betätigung und leiden stärker als Männer unter schlechten Gesundheitssystemen und Krankheiten wie HIV/Aids.

  • Ziel 1: Beseitigung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in der schulischen und weiterführenden Bildung vorzugsweise bis 2005 und auf sämtlichen Ebenen der Bildung bis spätestens 2015

4. Gesundheit von Kindern: Jedes Jahr sterben 9,2 Millionen Kinder vor Erreichen ihres fünften Lebensjahres - zum überwiegenden Teil an vermeidbaren bzw. behandelbaren Krankheiten wie Durchfall, Lungenentzündung, Malaria und Masern.

  • Ziel 1: Reduzierung der Sterblichkeit von Unterfünfjährigen um zwei Drittel (zwischen 1990 und 2015)

5. Gesundheit von Müttern: Jedes Jahr sterben eine halbe Million Frauen durch Komplikationen bei der Entbindung, Millionen weitere leiden unter schwangerschaftsbedingten Krankheiten und Verletzungen.

  • Ziel 1: Reduzierung der Müttersterblichkeitsrate um drei Viertel
  • Ziel 2: Durchsetzung des flächendeckenden Zugangs zur Schwangerenfürsorge

6. HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten: HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria sind vermeidbar und behandelbar. Trotzdem sind sie drei der Krankheiten mit den höchsten Todeszahlen. Jeden Tag sterben 12.500 Menschen an HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria - fast zwei Drittel von ihnen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

  • Ziel 1: Stopp der Ausbreitung und Zurückdrängung von HIV/Aids bis 2015
  • Ziel 2: flächendeckender Zugang zur HIV/Aids-Behandlung für alle Bedürftigen bis 2010
  • Ziel 3: Stopp und Zurückdrängung der Ausbreitung von Malaria und anderer Krankheiten bis 2015

7. Gewährleistung einer nachhaltigen Umwelt: Weltweit haben 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu angemessener sanitärer Versorgung. Diese Situation wird sich Prognosen zufolge mit dem Klimawandel und der Zunahme der Weltbevölkerung noch verschärfen.

  • Ziel 1: Einbindung der Grundsätze einer nachhaltigen Entwicklung in die Landespolitik und landeseigene Programme sowie Umkehr des Verlusts an Umweltressourcen
  • Ziel 2: Verringerung des Verlusts an Artenreichtum, bis 2010 eine signifikante Verringerung der Verlustrate
  • Ziel 3: Halbierung der Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und grundlegender sanitärer Versorgung bis 2015
  • Ziel 4: Signifikante Verbesserung der Lebensumstände von mindestens 100 Millionen Bewohnern von Slums bis 2020

8. Entwicklung einer globalen Partnerschaft im Dienste der Entwicklung: Eine erfolgreiche Umsetzung der ersten sieben Ziele setzt eine neue globale Kooperation voraus, in deren Rahmen Entwicklungs- und Geberländer den Fragen der Entwicklung Priorität geben und dazu ein nachhaltiges und überprüfbares System aufbauen. Industrieländer sind in den zurückliegenden Jahren ehrgeizige Verpflichtungen eingegangen. Einige von Ihnen sind mit der Umsetzung dieser Verpflichtungen schon recht weit, in anderen Ländern liegt man weit hinter Plan.

  • Ziel 1: Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der am schwächsten entwickelten Länder, darunter insbesondere Binnen- und Inselstaaten
  • Ziel 2: Weiterer Aufbau eines offenen, auf festen Regeln basierenden, vorhersagbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystems
  • Ziel 3: Ausführliche Befassung mit dem Schuldenproblem der Entwicklungsländer
  • Ziel 4: In Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie dafür sorgen, dass wichtige Medikamente in Entwicklungsländern kostengünstig bereitgestellt werden.
  • Ziel 5: In Zusammenarbeit mit  dem privaten Sektor dafür sorgen, dass die Vorteile neuer Technologien, insbesondere im IT- Kommunikationsbereich, bereitgestellt werden.

Nach der Hälfte der Zeit bis 2015 haben die Regierungs- und Staatschef der Welt die historisch einmalige Chance, dem Kampf gegen extreme Armut neue Impulse zu verleihen. Dazu müssen sie ihr Engagement für die Entwicklungszusammenarbeit bekräftigen und neue Mittel zur Umsetzung der vereinbarten Ziele bereitstellen. Neben Staats- und Regierungschefs, Kampagnen und Bürgern auf aller Welt setzt sich ONE für die Mobilisierung einer breiten Unterstützung für die Realisierung der Millennium-Entwicklungsziele ein. Darüber hinaus fordert ONE bei Staats- und Regierungschefs Rechenschaft über die Einhaltung der abgegebenen Zusagen zur Umsetzung der Millenniumziele. 

 

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